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10.12.2005 Protestaktionen zum 3.12.2005 » Presse
Leserbriefe in der BNNIn der Nachbereitung der Protestaktionen gegen die Nazi-Aufmärsche sind in der BNN am 10.12.2005 zwei Leserbriefe erschienen, die wir im Wortlaut dokumentieren.
BNN, Samstag, 10. Dezember 2005 Nicht gern in einer SchubladeZum Bericht "Rechte Kundgebung blieb aus". Im oben genannten Artikel wird der Eindruck vermittelt, als sei der Protest gegen den geplanten Aufmarsch der Neonazis eine Angelegenheit der "Linken". (Man lasse auch mal das Wort "Aufmarsch" auf sich wirken!) Es wäre schlimm, wenn die "Linken" die einzigen wären, die gegen die Rechtsextremen auf die Straße gehen. Die Rechtsextremen um ihren Chefideologen Worch sind bis in ihre Schriften und Aussagen hinein gewaltbereit. Und viele Menschen sind auch bereits Opfer von Gewalttaten geworden. Nein, es waren außer mir auch noch ein paar andere da, die sich nicht gerne in die Schubladen "Rechte" oder "Linke" stecken lassen, die aber allen Anfängen von Menschenverachtung, Mord und Verbrechen wehren wollen, von welchen unser Land und Millionen Menschen in unseliger Zeit betroffen waren. Behinderte, psychisch Kranke, Ausländer und andere benachteiligte Gruppen unserer Gesellschaft haben - ich weiß es aus Gesprächen - Angst, wenn sie solche "Aufmärsche" erleben müssen. Sie wissen noch darum, wie um eines perversen Verständnisses einer "Volksgesundheit" oder einer "Reinhaltung der Rasse" willen Menschen in Vernichtungslagern ermordet wurden. Dass uns zum Beispiel erst in heutiger Zeit die Frage einer sinnvollen Betreuung von psychisch erkrankten alten Menschen beschäftigt, hängt damit zusammen, dass uns erst heute solche ältere Menschen begegnen. Psychisch Kranke wurden seinerzeit ermordet, sie wurden nicht alt. "Euthanasie", was soviel heißt wie "schöner Tod" nannte man dieses Morden. Dass damals auch unsere Kirchen dem nicht entschieden genug entgegengetreten sind, müssen wir uns als Schuld anrechnen lassen. Nicht allein "Linke", sondern alle, für die Demokratie und Menschenwürde unaufgebbare Werte sind, müssen um dieser Werte willen in aller Besonnenheit, Würde und ohne Gewalt diesem Treiben entgegentreten. Dafür ist eben manchmal die Straße und die Demonstration der Ort. Ich war betroffen, viele junge Menschen - zum Teil fast noch Kinder - unter den Neonazis zu sehen. Ich bin überzeugt, dass die Mehrzahl dieser jungen Menschen, die meinen, Nazis zu sein, nicht einmal wissen, was das ist. Mit diesen jungen Leuten müssen wir ins Gespräch kommen, damit wir verstehen, was sie bewegt. Wir dürfen sie nicht denen überlassen, die sie mit ihren menschenverachtenden Parolen und für ihre politischen Ziele missbrauchen. Hans-Peter Karl, Pfarrer BNN Ettlingen, Samstag, 10. Dezember 2005 Friedfertige Präsenz ist wichtigZu den Berichten über die für das vergangene Wochenende
angekündigten Demonstrationen von rechts und links in Karlsruhe Es scheint nicht ganz klar zu sein, um was es vorigen Samstag ging: Neonazis wollten ihre Parolen in Karlsruhe verbreiten, um für die Wiedererrichtung des Dritten Reiches zu werben. Neonazis sind ansonsten dabei, Kinder und Jugendliche für ihre destruktiven Ideologien zu ködern. Die offenen Vorbereitungstreffen des Antifaschistischen Aktionsbündnisses zur Gegendemonstration sind organisatorisch wie zwischenmenschlich vorbildlich abgelaufen. Auch zahlreiche soziale und kulturelle Vereine unterstützten den Aufruf. Umso erstaunlicher ist es, dass städtische Entscheidungsträger dem Bündnis Gewaltbereitschaft unterstellten, anstatt sich vor Ort eine objektive Meinung zu bilden und die Demonstration gegen rechte Gewalt aktiv zu unterstützen wie in anderen Städten üblich. Wenn es bei Demonstrationen auch einzelne gewaltbereite Linksautonome gibt,
dann ist das sehr ungut, aber kein Grund, sich völlig herauszuhalten. Im
Gegenteil, es ist umso mehr ein Grund, für eine starke friedfertige
Präsenz zu sorgen. Was notwendig ist, formulierte Dietrich Bonhoeffer kurz
vor seiner Ermordung im KZ: Susanne Baumstark Veröffentlichungen mit freundlicher Erlaubnis der BNN | ||||||
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