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6.12.2005
Protestaktionen zum 3.12.2005 » Infos
Redebeiträge vom 3.12.2005
Silvia Schulze
Begrüßung am Kronenplatz
Liebe Karlsruherinnen und Karlsruher!
Liebe Freundinnen und Freunde!
Ich darf Sie / Euch im Namen des Antifaschistischen Aktionsbündnisses
Karlsruhe recht herzlich zu unserer Protestkundgebung gegen den Naziaufmarsch
begrüßen.
Seit dem 6. Mai 2000, als der nazistische Messerstecher Huck zwei
Antifaschisten hier auf dem Kronenplatz verletzte, waren wir mehrfach gezwungen,
uns zu Kundgebungen und Demonstrationen zusammenzufinden und zu fordern: Nazis
raus aus Karlsruhe!
Wir freuen uns, dass durch die Zusammenarbeit der AntifaschistInnen in
Rastatt und Karlsruhe die Nazis nicht nach Karlsruhe gelangen können und
dass wir unsere Abschlusskundgebung doch am Bahnhofsvorplatz durchführen
können.
Trotzdem bleibt unsere Empörung gegenüber der Stadt Karlsruhe, die
wieder in ihre alte, bekannte Haltung zurückgefallen ist und vor den Nazis
kapituliert hat. Uns gegenüber hat der Vertreter der Stadt Karlsruhe, Herr
Behnle, wortreich erklärt, dass er nötigenfalls bis vor das
Bundesverfassungsgericht gehen wird, um den Aufmarsch zu verbieten. Und was
wurde daraus? Nach dem erstinstanzlichen Urteil des Verwaltungsgerichtes
Karlsruhe ist die Stadt eingeknickt und wollte die Faschisten gewähren
lassen.
Den berechtigen Protest der Menschen aber, die in keiner Stadt leben wollen,
in der dieser braune Haufen ungestört seine volksverhetzenden,
rassistischen und antisemitischen Parolen skandieren kann - so geschehen im
August 2000 vom Kronenplatz durch die Südstadt zum Bahnhof und im Juni
2002 vom Hauptbahnhof durch die Südweststadt zurück zum Bahnhof -
diesen Protest hat die Stadt hierher auf den hinteren Teil des Kronenplatzes
verlegt.
Recht hat die BNN, wenn sie heute schreibt: "Aber lautstarkes
Protestieren und Auspfeifen der ungebetenen Gäste auf dem Bahnhofsvorplatz
unter Polizeischutz wäre ein noch klareres Zeichen für eine wehrhafte
demokratische Kultur in Karlsruhe und gegen Rechtsextremismus gewesen, als die
entfernte Gegendemo".
Und nichts anderes wollten wir. Friedlich und gewaltfrei, mit einer
Rockband, einer Kulturgruppe, mit Redebeiträgen, mit Transparenten,
Sprechchören und Trillerpfeifen deutlich machen, dass Faschismus keine
Meinung, sondern ein Verbrechen ist.
Wir haben bewusst das Symbol der weißen Rose gewählt, den Namen
der Widerstandsgruppe gegen den Hitlerfaschismus von Hans und Sophie Scholl.
Sie und die anderen Mitglieder der Widerstandsgruppe "Weiße
Rose" haben mit Flugblättern zum Sturz der Hitlerdiktatur und zur
Beendigung des Krieges aufgerufen und wurden dafür im Februar 1943
hingerichtet. Was offiziell gern verschwiegen wird: die Gruppe wurde stark
durch die Verbrechen der Nazi-Wehrmacht an der Ostfront politisiert.
Medizinstudenten aus der Widerstandsgruppe, die dort Kriegsdienst leisten
mussten, erfuhren von den Massenmorden an der Zivilbevölkerung - an
Frauen, Kindern und Greisen. Sie erfuhren von den furchtbaren Verbrechen an der
jüdischen Bevölkerung und den Kriegsgefangenen.
Der Mut der Weißen Rose muss uns Verpflichtung sein, noch stärker
als bisher gegen die Neofaschisten aufzutreten.
Unseren friedlichen, gewaltfreien Protest haben wir in zwei
Kooperationsgesprächen gegen über den Vertretern der Stadt Karlsruhe
und der Polizei erklärt.
Und was machen Stadt und Polizei? In einer 14 Seiten langen Erklärung
versuchen sie diesem Bündnis - es ist das breiteste antifaschistische
Bündnis, dass ich in Karlsruhe erlebt habe - Gewaltbereitschaft
anzudichten.
Aber damit nicht genug, mit einer Allgemeinverfügung wollte die Stadt
den Bahnhofsplatz weiträumig absperren. "Demonstrative Aktionen -
außer der Kundgebung des Herrn Christian Worch ..." sollten dort
unter Androhung von Zwang verboten sein. Das heißt, dass jeder Mensch,
der dort seinen Unmut über den Nazi-Aufmarsch zum Ausdruck gebracht
hätte, mit einem Platzverweis oder gar Gewahrsam zu rechnen gehabt
hätte. Gegen diese Verfügung haben wir Widerspruch eingelegt und vor
Gericht Recht bekommen.
So weit ist die Stadt Karlsruhe bisher nicht gegangen, dass Polizei und
Behörden mit Billigung des Oberbürgermeisters einen Nazi-Aufmarsch
schützen, während friedliche Bürgerinnen und Bürger in
ihrem Versammlungsrecht eingeschränkt werden.
Durch diese Desorientierungspolitik der Stadt Karlsruhe sind wir nicht die
2000, die wir sein könnten, denn schließlich war erst gestern Abend
klar, dass wir uns hierher abdrängen lassen müssen.
So ist es mal wieder an uns klarzustellen:
Kein Platz für Nazis!
Nicht in Karlsruhe und auch nicht anderswo!
Faschismus ist keine Meinung sondern ein Verbrechen!
Werner Pfennig
Bundessprecher der VVN-BdA und Landessprecher Baden-Württemberg
Kolleginnen und Kollegen,
Freundinnen und Freunde,
wir demonstrieren heute hier in Karlsruhe, Rastatt und anderswo gegen die
braunen Umtriebe der Neonazis, gegen alte und neue Faschisten. Nazis raus aus
unserer Stadt!
Wir protestieren gegen die sogenannten "freien Kameradschaften" um
den Hamburger Millionär und altgedienten Nazikader Christian Worch, dessen
Aufmarsch sich gegen die angebliche "ausufernde Gewalt gegen Nationalisten
und inländerfeindliche Politik" richten soll.
Freundinnen und Freunde,
in den vergangenen 15 Jahren wurden fast 200 Menschen von Neofaschisten
ermordet. Sie wurden erschlagen, erstochen, erschossen, verbrannten hilflos in
ihren Häusern. Sie starben, weil sie Migranten waren, anders aussahen oder
anders lebten, anders dachten. Christian Worch und seine braunen Kumpane
streben in aller Offenheit eine Neuauflage des Dritten Reiches an. In einem
Interview hatte Worch vor laufender Kamera erklärt: "Ich
persönlich spreche mich dafür aus, dass nach der Machtübernahme
vier Wochen lang grundsätzlich keine Exekution stattfinden darf. Vor der
Machtübernahme wäre es nicht auszuschließen."
Worch und seine braunen Kumpane, die inzwischen mit höchstrichterlicher
Billigung die Naziparole: "Ruhm und Ehre der Waffen-SS" grölen
dürfen, stehen für eine Ideologie, die Auschwitz möglich gemacht
hat. Sie stehen für eine Ideologie, die das Verbrechen zur Tugend
erklärt. Was das bedeutet, hatte der von Worch und Co. angehimmelte
Heinrich Himmler vor SS-Offizieren in Posen 1943 erklärt: "... Von
Euch werden die meisten wissen, was es heißt, wenn 100 Leichen beisammen
liegen, wenn 500 daliegen oder wenn 1000 daliegen. Dies durchgestanden zu haben
und dabei - abgesehen von Ausnahmen menschlicher Schwäche - anständig
geblieben zu sein, das hat uns hart gemacht."
Freundinnen und Freunde,
in diesem Jahr wurde in zahlreichen Veranstaltungen des 60. Jahrestages des
Kriegsendes gedacht. Der 8. Mai 1945 bedeutete das Ende eines 6-jährigen
Angriffskrieges mit 60 Millionen Toten, das Ende einer 12-jährigen
Gewaltherrschaft des Nationalsozialismus und des in der Menschheitsgeschichte
einmaligen Massenmords an den europäischen Juden, an den Sinti und Roma,
an Homosexuellen, an sogenannten Asozialen und nicht zuletzt, an politisch
Andersdenkenden, an Kommunisten, Sozialdemokraten, Christdemokraten und
Gewerkschaftern.
Heute, 60 Jahre nachdem dem Ende der braunen Terrorherrschaft, 60 Jahre nach
der Befreiung von Auschwitz, Majdanek, Bergen-Belsen, Mauthausen, Dachau,
vergeht kaum kein Wochenende in Deutschland ohne Naziaufmärsche.
Neofaschisten berufen sich dabei auf das Grundrecht auf Versammungs- und
Meinungsfreiheit. Die Gerichte - wie das Verwaltungsgericht Karlsruhe - machen
den Nazis, wenn auch häufig mit einschränkenden Auflagen versehen,
den Weg frei. Sie berufen sich dabei auf ein Urteil des
Bundesverfassungsgerichts, das Naziparolen lediglich als "mißliebige
Meinung" bewertete, die aber durch das Grundrecht auf freie
Meinungsäußerung abgedeckt sei. Dabei ginge es auch anders: In dem
erst im April 2005 geänderten Strafrechtsparagrafen 130 Absatz 4, mit
dessen Hilfe der alljährliche Naziaufmarsch in Wunsiedel verhindert wurde,
heißt es: "Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit
Geldstrafe wird bestraft, wer öffentlich oder in einer Versammlung den
öffentlichen Frieden in einer die Würde der Opfer verletzenden Weise
dadurch stört, dass er die nationalistische Gewalt- und
Willkürherrschaft billigt, verherrlicht oder rechtfertigt."
Bestätigt fühlen dürfen sich bekennende Antisemiten wie
Christian Worch auch durch den einer demokratischen Partei angehörenden
Juristen Professor Hans-Peter Schneider, der im sächsischen Landtag allen
Ernstes behauptete: "Antisemitismus ist als Weltanschauung durch die
Verfassung geschützt."
Im Grundgesetz ist aber die Aufstachelung zum Rassenhass verboten. Und
Artikel 1 der Verfassung lautet: "Die Würde des Menschen ist
unantastbar". Faschismus ist keine irgendwie "mißliebige
Meinung". Faschismus ist ein Verbrechen! Das größte Verbrechen
der Menschheitsgeschichte!
Freundinnen und Freunde,
wir demonstrieren hier, weil wir nicht zulassen, daß öffentliche
Auftritt von Neofaschisten stillschweigend akzeptiert werden.
Christian Worch, der Anmelder der Neonaziaktionen in Karlsruhe und Rastatt
ist einer der erfahrensten und ältesten Neonazikader der Bundesrepublik.
Seine Karriere begann 1974 in Hamburg, wo er gemeinsam mit Michael Kühnen
1977 die Aktionsfront Nationaler Sozialisten/Nationale Aktivisten (ANS/NA)
gründete. 1978 zog Worch mit Kühnen und anderen Nazis mit
übergezogenen Eselsmasken und Schildern durch Hamburg. Auf den Schildern
stand: "Ich Esel glaube immer noch, daß in deutschen KZ Juden
vergast wurden".
Nach der Inhaftierung Kühnens wird Worch Chef der Aktionsfront
Nationaler Sozialisten. 1980 wird Worch zu mehreren Gefängnisstrafen
verurteilt, die schließlich eine Gesamtstrafe von drei Jahren ergeben.
Nach dem Tod des Naziführers Michael Kühnen fungiert Worch als sein
Nachfolger. Worch, der das Ziel einer Neugründung und Wiederzulassung der
NSDAP niemals aufgegeben hat, steht für die sogenannte Anti-Antifa-Arbeit,
die er als "Feindaufklärung und Feindbekämpfung"
bezeichnet. Hetze gegen Antifaschisten wird im Internet veröffentlicht. Er
ist Anmelder der Rudolf-Hess-Märsche in Wunsiedel, die in diesem Jahr
erfreulicherweise verboten wurden.
Freundinnen und Freunde,
wir wollen eine tolerante und offene Gesellschaft. Aber gegenüber alten
und neuen Nazis kann es keine Toleranz geben! Wir dürfen nicht zulassen,
daß Gewalt und Hass, Dummheit und Intoleranz unser Zusammenleben
zerstören.
Neofaschisten propagieren "Das Leben als Kampf", die Absage an die
Gleichheit, ein "neues Europa mit Deutschland als Zentrum", einen
"Kulturkrieg gegen sämtliche Entwurzelungskräfte", das
Hoffen auf "einen erneuten Sturm der Geschichte, der das Gleichheitsdenken
in all seinen Erscheinungsformen zertrümmern soll."
Freundinnen und Freunde,
Wir brauchen eine Politik, die an den Wurzeln der Ausländerfeindlichkeit
ansetzt, die Arbeitslosigkeit und Perspektivlosigkeit beseitigt. Es ist unsere
Aufgabe und die aller Bürgerinnen und Bürger, dafür zu sorgen,
daß in Deutschland alle Menschen ohne Angst leben können.
Wir treten ein für mehr Entschiedenheit im Kampf gegen rechts! Neonazis
gehen der Demokratie an die Gurgel.
Deshalb muß eine Demokratie dafür sorgen, daß ihr nicht
irgendwann von geschichtsblinden Barbaren die Luft zum atmen genommen wird.
Wir fordern die Auflösung aller faschistischen Organisationen, ein
Verbot jeder faschistischen Betätigung!
Es sind aber nicht allein die Hardcore-Nazis wie die Worchs und Konsorten,
die die Demokratie bedrohen. Die Gewalt kommt längst auch aus der Mitte
der Gesellschaft. Es ist auch der alltägliche Rassismus in der
Bundesrepublik, der die unendliche Kette neofaschistischer Schandtaten
möglich gemacht hat.
Die Mauer zwischen restaurativem Konservatismus und Rechtsextremismus ist
gefallen. Dies machen nicht zuletzt auch die Abstimmungsergebnisse im
sächsischen Landtag deutlich, wo die NPD fast regelmäßig mehr
Stimmen für ihre Anträge erhält als ihre Fraktion Mitglieder
hat. Da fordert die Junge Union Sachsen und Niederschlesien in einem Papier
unter der Überschrift "Wir sind stolz auf unser Land. Und Du?" zu
einer Wertediskussion auf. Im Kapitel "Unser Patriotismus" wird den
unvergleichbaren Verbrechen des Faschismus ein ganzer, das politische
Bewußtsein der CDU-Patrioten entlarvender Alibi-Satz gewidmet: "Die
Deutschen haben die Folgen des von Deutschland ausgegangenen Zweiten
Weltkrieges und der nationalsozialistischen Diktatur bewältigt. Zwölf
Jahre Diktatur, die für unsere Verfassungsväter Warnung und Mahnung
waren und für uns Warnung und Mahnung bleiben."
Es gibt Fahrgemeinschaften in der Rechtskurve. Manches in der Sprache der
Arbeitgeberverbände erinnert fast wortgleich, und zwar im Zusammenhang mit
dem Sozialabbau, an die Arbeitgeberpublikationen von vor 1933, wo
ähnlicher Sozialabbau wie heute propagiert und durchgeführt wurde.
Wohin das geführt hat, wissen wir alle.
Bei den Reichstagswahlen 1928 erhielt die NSDAP gerade 2,6 Prozent. Vier
Jahre später war sie die stärkste Partei.
Heute spielen sich Neonaziparteien wie die NPD als Anwalt der deutschen
Arbeitslosen auf. In ihrer Programmatik und politischen Praxis vertreten sie
eine unsoziale und menschenverachtende Politik.
Die NPD erreichte bei den Bundestagswahlen zwar "nur" 1,6 Prozent,
und verfehlte damit klar ihr Ziel, in den Bundestag einzuziehen. Aber sie
konnte ihr Stimmergebnis gegenüber der Bundestagswahl 2002 vervierfachen
und 5,5 Prozent der jungen Männer zwischen 18 und 25 Jahren haben bei der
Bundestagswahl für die NPD gestimmt.
Die Zahl rechter Gewalttaten nimmt ständig zu. Allein für den
Monat September wurden 969 rechte Delikte - davon 74 Gewalttaten - bekannt.
Dies ist die höchste Zahl seit Jahren.
Freundinnen und Freunde,
Nicht nur in Deutschland, überall in Europa werden neofaschistische
Kräfte wieder salonfähig. Das rechte Spektrum ist längst aus
seinen Löchern gekommen und formiert sich Europaweit. Wir wissen, wie der
Faschismus historisch entstand und deshalb werden wir im Bündnis weiter
dagegen halten, aufklären und uns nicht wegducken.
Wer Neofaschismus bekämpfen will, darf ihm keine Nahrung geben,
- muß seine Wurzeln beseitigen,
- muß Demokratie stärken und ausbauen, darf sie nicht
einschränken,
- muß in allen Bereichen für die sozialen und politischen
Menschenrechte, die soziale Gerechtigkeit wirken,
- muß Friedenspolitik und darf keine Kriegspolitik betreiben.
Hemmungsloser Neoliberalismus mit seinen asozialen Folgen aber
vergrößert den Nährboden für Rechtsextremisten und
Rechtspopulisten
Es ist ein Verbrechen, junge Menschen in die Ideologie der Unmenschlichkeit
einzuführen wie es die Nazis tun.
Es ist an der Zeit, das Gemenge von Demokratieverachtung, Gewaltgeilheit und
Menschenhaß wieder als das zu bestimmen, was es ist: eine der
übelsten Bedrohungen in Deutschland.
Freundinnen und Freunde,
Noch einmal: Nazis haben in Karlsruhe, in unserer Region und anderswo nichts
verloren! Wir fordern keine Duldung der Faschisten!
Keine Nazitreffen, weder auf öffentlichen Straßen und
Plätzen, noch in Sälen oder bei Konzerten!
Es bleibt dabei: Nazis raus!
Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen!
Martin Spreng
DGB-Regionsvorsitzender Mittelbaden und Nordschwarzwald
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
liebe Bürgerinnen und Bürger,
wir verdienen zuviel, wir arbeiten zu wenig, Deutschland ist nicht
wettbewerbsfähig, die Chinesen sind besser als wir und die Erde ist eine
Scheibe ...
Das ist auf einen Nenner gebracht, was wir tagtäglich zu
hören bekommen. Die Realität ist, dass die Löhne sinken, dass
die Arbeitszeit steigt, Deutschland Weltmeister im Export ist, die Chinesen
Tausende von Menschen durch vergiftetes Wasser gefährden, weil sie sich
dem Industrialisierungsdruck beugen.
Manche werden fragen, was hat das mit unserem heutigen Anliegen zu tun, den
braunen Ewiggestrigen zu zeigen - Wir wollen Euch nicht in Karlsruhe, in
Rastatt und anderswo? Ist es nicht so, dass durch das Mobbing, dem Erwerbslose
ausgesetzt sind "Wer Arbeit sucht, findet auch Arbeit"
Hoffnungslosigkeit aber auch Hass erzeugt wird?
- Ist es nicht ein unglaublicher Vorgang, dass ein jetzt gewesener
Bundesarbeitsminister mit seinem Parasiten-Vergleich sich einer Terminologie
bedient, die fatale Vorbilder hat?
- Ist es nicht so, dass solche Hetze das gesellschaftliche Klima
vergiftet?
- Ist es nicht so, dass die millionenschwere Kampagne der Industrie
"Neue soziale Marktwirtschaft" immer neue Zielgruppen ausmacht, um
die Gesellschaft zu spalten? Zum Beispiel die Jungen gegen die Älteren
auszuspielen.
- Ist es nicht so, dass die Chancen der Globalisierung nicht gesehen werden,
weil nur noch die Bedrohungen bei den Menschen ankommen? Zum Beispiel die
täglichen Erpressungen in den Betrieben, mit der Drohung diese ins Ausland
zu verlagern.
- Ist es nicht so, dass in dieser Umbruchphase notwendigen Absicherungen
nicht ausgebaut, sondern radikal zusammengestrichen werden (Stichwort Hartz
IV)?
Darf man sich dann wundern, wenn das rechte Denken in den Köpfen
(Untersuchungen sprechen von rechtsextremen Einstellungen von 10-15%) sich
festgesetzt hat?
Diese rechten Gruppen und Parteien, denen wir heute ein Zeichen geben
wollen, haben sich die zu Nutze gemacht, neben ihren klassischen rechtsextremen
Einstellungen wie Rassismus und Fremdenfeindlichkeit haben sie auch die
Arbeitsmarktlage und die Kritik an Globalisierung und Kapitalismus mit
einbezogen. Unter dem Deckmantel der sozialpolitischen Interessensvertretung,
transportieren sie ihre antidemokratischen Parolen und Positionen.
Und sie haben ihr Erscheinungsbild erweitert. Nicht nur Dumpfbacken und
Glatzen dominieren die Szene, sondern auch intellektuelle Rechte. Dumpfe
Vorurteile werden mit einem negativen "coolen" Kult verbunden. Ihre
Musik und Texte sind nicht mehr nur extrem gewalttätig und aggressiv
sondern auch sanfte eingängige Melodien begleiten die nicht minder
rechtsextremen Texte.
Die Nadelstreifen gewandeten "Springerstiefel" sind
gefährlicher geworden. Deshalb wünschte ich mir, dass Karlsruhe
aufsteht und sich diesen Neonazis entgegenstellt.
Ich wünschte mir, dass Herr Oberbürgermeister Fenrich - und das
war gut so - nicht nur die Demonstration verbietet, sondern auch juristisch
weiter dagegen kämpft. Und dass er - und ich strapaziere jetzt etwas den
Werbespruch "Karlsruhe: viel vor - viel dahinter" - ernst nimmt und
sich und Gemeinderäte und Polizeibehörde, also "viel vor"
stellen in die erste Reihe und viele Bürger dahinter, um diese Neonazis
aufzuhalten.
Ich lade sie dazu ein, denn diese braunen Brunnenvergifter werden nicht
aufgeben. Ihr nächstes Treffen ist schon für Januar angemeldet.
Karlsruhe ist die Stadt des Rechts und der Kultur - aber nicht deren!
Arno Neuber
Friedensbündnis Karlsruhe
Liebe Freundinnen und Freunde,
lasst mich die Gelegenheit zu drei persönlichen Grüßen
nutzen.
Auf dem Kronenplatz wurden schon einige Landtags- und Bundestagsabgeordnete
begrüßt. Auch ich heiße Sie willkommen. Ich frage mich aber:
Wo sind die anderen, wo sind die Karlsruher Gemeinderäte? (3 Hände
gehen hoch.) Aha, einige sind da. Ich grüße auch Sie.
Insbesondere möchte ich aber jede Teilnehmerin und jeden Teilnehmer
hier auf dem Platz begrüßen. Ich kenne eure Namen nicht, aber ich bin
stolz darauf, dass ihr die Sache der Demokratie in die eigenen Hände
genommen habt. Ich danke euch allen.
Liebe Karlsruherinnen und Karlsruher, liebe Fahrgäste der Bahn! Wir
sind nicht hier, um sie an Ihren Weihnachtseinkäufen oder an der Reise in
den wohlverdienten Urlaub zu hindern. Im Gegenteil. Wir sind hier, damit sie
das auch noch in Zukunft ungestört von Naziaufmärschen tun
können.
Liebe Polizistinnen und Polizisten! Sie sind nicht wegen uns heute am
Samstag hier. Sie sind nicht zu unserem Schutz hier - darum können wir uns
schon selber kümmern. Ich hoffe, dass Sie am Montag, beim landesweiten
Streik- und Aktionstag gegen längere Arbeitszeiten, Überstunden,
Sozialabbau, Kürzung von Weihnachts- und Urlaubsgeld auf der richtigen
Seite stehen.
Liebe Freundinnen und Freunde!
Den Nazismus mit seinen Wurzeln zu vernichten, eine Welt des Friedens und
der Freiheit aufzubauen, schworen die Häftlinge des Konzentrationslagers
Buchenwald nach ihrer Selbstbefreiung.
Dieses Vermächtnis ist uns Verpflichtung.
Von einer Welt des Friedens sind wir weit entfernt. Eine Politik, die
soziale Spaltung und Armut befördert, den autoritären
Überwachungsstaat vorantreibt und den Einsatz von Militär als Mittel
der Außenpolitik betrachtet, fordert unseren Widerspruch und Widerstand
heraus.
Den Verfassungsschutz müssen wir selber organisieren, wo sich in
Justiz, Verwaltung, Polizei oder Bundeswehr ein großzügiger,
duldsamer, gleichgültiger oder gar fördernder Umgang mit
neofaschistischen, fremdenfeindlichen und antisemitischen Auffassungen
zeigt.
Die Bundeswehr feiert in diesem Jahr ihren 50. Gründungstag. Es ist
bemerkenswert, wie sich Festredner und Beiträge in
Militärzeitschriften vor einer klaren Distanzierung zur Wehrmacht
drücken, ohne die die Nazis ihre verbrecherischen Kriege nicht hätten
führen können.
Zahlreiche Bundeswehrkasernen tragen die Namen von rechtsradikalen
Freikorpsführern; Teilnehmern am Kapp-Putsch gegen die Weimarer-Republik;
Generälen, die den rassistischen Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion
kommandiert haben.
Wie stark in der Bundeswehr, in ihrem Offizierskorps und in der
Generalität ein Weltbild verankert ist, das sich an den vorgeblichen
Tugenden deutschen Soldatentums orientiert, zeigt nicht zuletzt, dass alle
bisherigen Verteidigungsminister, auch sozialdemokratische, beim Thema
Kasernennamen und Traditionen bislang nur sehr vorsichtig agiert haben.
Immer wieder wird die Öffentlichkeit mit Nachrichten von
Geburtstagsfeiern für Hitler in Kasernen, mit Videos von Folterpraktiken
und antisemitischen Ausfällen bei der Bundeswehr konfrontiert.
Einzelfälle heißt es dann immer und es wird auf Wehrpflichtige
verwiesen, die das Nazigedankengut von draußen, eben aus der Gesellschaft
mit in die Kasernen brächten.
Der eigentliche Skandal ist aber das rechte Weltbild bei Generälen,
Offizieren und Unteroffizieren.
Nazigenerale haben die Bundeswehr aufgebaut und ihr militaristisches,
reaktionäres Weltbild weiter gegeben.
"Tatsächlich", schreibt der Militärhistoriker Wolfram
Wette, "gibt es Rechtsradikalismus bei einer Minderheit der Bundeswehr
seit jeher. Die Militärpolitik der weltweiten Kampfeinsätze, die der
Öffentlichkeit als 'neue Normalität' verkauft wird, hat die
Akzeptanz dieser Minderheit offenbar erhöht und manches frei gesetzt, was
früher tabu war."
Und eine Konferenz katholischer Militärpfarrer hat vor einigen Jahren
diagnostiziert, der Umbau der Bundeswehr zur weltweiten Einsatztruppe ziehe
Neonazis gerade zu an. Rechte Ideologien finden vor allem bei der Vorbereitung
von Auslandseinsätzen Verbreitung, wo wieder der "archaische
Kämpfertyp" gefragt ist.
Auch das ein Grund, warum wir gegen weltweite Kampfeinsätze der
Bundeswehr sind und die Auflösung der Eingreifverbände und des
Kommando Spezialkräfte der Bundeswehr fordern.
Liebe Freundinnen und Freunde,
die Erfahrungen der Geschichte lehren: Stark sind wir, wenn wir gemeinsam
handeln und Trennendes zurückstellen. Lassen wir uns also nicht spalten.
Treten wir gemeinsam für eine andere Welt ein, die den Werten des
Friedens, der Solidarität und der Gerechtigkeit verpflichtet ist.
Friedlich, entschlossen und mit einem langen Atem.
Johannes Stober
SPD Karlsruhe
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
liebe Antifaschistinnen und Antifaschisten,
wir haben die heutige Kundgebung unter den Namen der "Weißen
Rose" gestellt. Die studentische Widerstandsgruppe um die Geschwister
Scholl, die durch ihren mutigen Einsatz dazu aufriefen, sich der
verabscheuungswürdigen NS-Tyrannei zu widersetzen.
Ich möchte in diesem Zusammenhang daher auch an die Karlsruher
Widerstandskämpferinnen und Widerstandskämpfer erinnern, die im Dritten
Reich unter Einsatz von Leib und Leben versucht hatten, dem Nationalsozialismus
die Stirn zu bieten.
Ich möchte beispielhaft erinnern an August Dosenbach, einen
27-jährigen Metallarbeiter aus Daxlanden, der sich im kommunistischen
Widerstand um den Transport und die Verteilung von Druckschriften kümmerte
und in der Nacht vom 20. auf den 21. Oktober 1933 von der Gestapo zwischen
Knielingen und Maxau erschossen wurde.
Ich möchte erinnern an den Juden und Sozialdemokraten Ludwig Marum, der
am 16. Mai 1933 in einer entwürdigenden Schaufahrt durch Karlsruhe ins KZ
Kislau gebracht wurde, in dem er schließlich in der Nacht vom 28. auf den
29. März 1934 von den Nazis ermordet wurde.
Ich möchte erinnern an den Zentrums-Politiker Reinhold Frank, der als
Rechtsanwalt Regimegegner aus allen politischen Lagern vor dem Volksgerichtshof
in Berlin vertrat, bevor er nach dem gescheiterten Attentat auf Adolf Hitler am
20. Juli 1944 verhaftet und dort am 12. Januar 1945 zum Tode verurteilt und
kurz darauf hingerichtet wurde.
Ich möchte erinnern an den Widerstand der Zeugen Jehovas und den
Widerstand der nach 1933 entstandenen "Bekennenden Kirche", die sich
dem Druck der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft widersetzten.
Ich möchte erinnern an die Karlsruherinnen und Karlsruher, die nur
deshalb, weil sie im Radio so genannte "feindliche Sender" gehört
hatten, zu Zuchthausstraßen verurteilt wurden und nicht selten an den
Folgen dieser Haft verstarben.
Ich möchte erinnern an die Karlsruherinnen und Karlsruher, die unter
großem persönlichem Risiko bereit waren, Verfolgten ein Versteck zu
geben und damit vor der Deportation in ein Konzentrationslager zu
schützen.
All dies darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch in
Karlsruhe die Nationalsozialisten auf die Unterstützung der Mehrheit der
Bevölkerung zählen konnten, und Adolf Hitler und andere
NS-Größen auch in Karlsruhe große Unterstützung für
ihre rassistische Propaganda hatten.
Heute, über 60 Jahre nach der Befreiung Deutschlands durch die
Alliierten, gibt es immer weniger Menschen, die persönliche Schuld auf sich
geladen haben. Wir stehen aber als nachfolgende Generation in der
Verantwortung, dafür zu sorgen, dass sich so etwas nie wiederholen wird.
Und um dies zu erreichen, ist es notwendig, immer wieder an die Ursachen zu
erinnern, die den Holocaust erst möglich gemacht haben, ebenso wie an die
Widerstandskämpferinnen und - kämpfer, die sich der Nazi-Diktatur
widersetzt haben und uns auch heute noch als moralische Vorbilder dienen.
Wir sind zwar heute in der Bundesrepublik bei weitem nicht in einer
Situation wie am Ende der Weimarer Republik. Es gilt aber: "Wehret den
Anfängen". Wenn hier in Karlsruhe Neonazis mit einem Fackelzug durch
die Innenstadt marschieren wollen, müssten eigentlich bei jedem
demokratisch gesinnten Bürger schreckliche Erinnerungen hochkommen, und
sich jeder und jede aufgerufen fühlen, Widerstand dagegen zu leisten. Im
Unterschied zu damals ist es heute zum Glück möglich, dies ohne Gefahr
für Leib und Leben zu tun. Lasst uns deshalb gemeinsam über alle
Parteigrenzen hinweg als Demokraten dafür kämpfen, dass dies auch in
Zukunft so bleiben wird.

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