29.11.2007

Infos
Dokumentation:

Gedenkveranstaltung
für die Opfer des Hitlerfaschismus

Am Sonntag, dem 25. November 2007, kamen etwa 40 Menschen auf dem Hauptfriedhof Karlsruhe zusammen, um am Mahnmal für die Opfer des Faschismus und am Gedenkstein für die sowjetischen und polnischen Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter der Toten zu gedenken. Die Ansprachen hielten Cuno Hägele, Gewerkschaftssekretär ver.di Stuttgart, und Dr. Ullrich Lochmann, Pfarrer i. R.

Wir dokumentieren die Ansprachen:


Inhalt: Cuno Hägele Gewerkschaftssekretär ver.di Stuttgart
Dr. Ullrich Lochmann Pfarrer i. R.


Am Mahnmal für die Opfer des Faschismus:

Cuno Hägele
Gewerkschaftssekretär ver.di Stuttgart

Liebe Kameradinnen und Kameraden,
liebe Kolleginnen und Kollegen,


"Vergiss uns nicht, die wir getötet wurden, denn das Vergessen des Bösen ist die Erlaubnis zu seiner Wiederholung"

So lautet die Inschrift auf dem Mahnmal im KZ Mauthausen. Die Opfer dem Vergessen entreißen, der Vergangenheit Namen geben, den Opfern ihre Namen zurückgeben und die Täter beim Namen nennen, deshalb sind wir hier.

Wir gedenken der Opfer des Faschismus, derer, die verfolgt, versklavt, ermordet wurden. Wir gedenken der politisch Verfolgten, der aus rassischen oder religiösen Gründen verfolgten, der Opfer der Euthanasie, der Kriegsgefangenen und der Zwangsarbeiter aus allen Ländern Europas.


Allen Opfern des Faschismus gilt unser Gedenken.

Und wir wiederholen den Schwur von Buchenwald:

"Wir stellen den Kampf erst dann ein, wenn auch der letzte Schuldige vor den Richtern der Völker steht!
Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung.
Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel.
Das sind wir unseren gemordeten Kameraden, ihren Angehörigen schuldig."

Den Opfern gedenken, heißt aus der Geschichte lernen, heißt aktiv zu sein gegen Faschismus und Krieg.


"Das Vergangene ist nicht tot, es ist nicht einmal vergangen!"

Fünfzehn Jahre ist es her, dass mehrere hundert Neonazis unter dem Beifall von 3000 Schaulustigen ein Wohnheim für vietnamesische Vertragsarbeiterinnen und -arbeiter in Rostock Lichtenhagen mit Molotow-Cocktails in Brand setzten.

Mitte August 2007 machen in Mügeln mindestens 50 Deutsche mit eindeutigen neonazistischen, rechtsradikalen Parolen Jagd auf acht Inder.

Reflexartig reagiert die Politik auf solche Vorfälle mit ritualisierter Fassungslosigkeit. Dabei wird bei all diesen Fällen deutlich, die Liste lässt sich beliebig fortsetzen, ob neue oder alte Bundesländer, dass die Präsenz von Neonazis verharmlost, ihre Gewaltbereitschaft geleugnet oder als überfallartiges Ereignis in einer ansonsten friedliebenden Gemeinschaft abgetan wird.

Statistisch gesehen schlagen Neonazis täglich mindestens an drei Orten in der Bundesrepublik zu. 18.000 rechte Straftaten und beinahe 1.100 "politisch rechts motivierte Gewalttaten" wurden allein im Jahr 2006 registriert. Tendenz steigend.

Die Opfer: Migrantinnen und Migranten, Flüchtlinge, Punks, Afrodeutsche, alternative und nicht rechte Jugendliche, Behinderte, Homosexuelle, Sinti und Roma.

Tatsächlich dürften diese offiziellen Zahlen nur einen winzigen Ausschnitt der Realität abbilden. Betrachtet man nur die Opfergruppen und die Zahlen rechter Gewalttaten, scheint sich seit 1992 wenig verändert zu haben.

Doch wenn wir uns nicht nur von Zahlen und Statistiken leiten lassen, müssen wir feststellen, dass es bis weit in die gesellschaftliche Mitte zu einer schleichenden Akzeptanz neonazistischer und rechtsextremer Positionen im Alltag gekommen ist, wie es u.a. die Wahlergebnisse der NPD auf kommunaler oder Länderebene deutlich machen. Das Ergebnis dieser Entwicklung der letzten 15 Jahre ist eine modernisierte Naziszene, die vielerorts kulturelle Hegemonie ausübt und jeden öffentlichen Raum besetzt, der ihr von der (Zivil-) Gesellschaft überlassen wird.

Die NPD bedient hauptsächlich offen rassistische und völkische Ressentiments. Laut Umfragen im Osten, wie im Westen der Republik vertreten 15% - 25% der bundesdeutschen Bevölkerung offen ausländerfeindliche Positionen.


"Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem dies kroch"

Trotz der Bestimmungen des Grundgesetzes können sich neonazistische Organisationen in diesem Land ungehindert entfalten, dürfen Neonazis unter dem Deckmantel der Meinungs- und Demonstrationsfreiheit aufmarschieren und ihre Hetzparolen verkünden. werden Verbote von Stadtverwaltungen durch die Verwaltungsgerichte wieder aufgehoben. Wir sagen, Aufrufe zur Hetze gegen Menschen hat mit demokratischen Rechten nichts zu tun.

Den neonazistischen Organisationen muss endlich die formaljuristische Legitimation ihres Handeins entzogen werden.

Der für Justiz zuständige italienische EU Kommissar Franco Frattini, zugleich Vizepräsident der EU Kommission hat in einem Interview am 26.8.2007 erklärt:

"Wenn es in Deutschland eines Tages zu einem Verbot der NPD kommen sollte, würde ich dies klar und deutlich begrüßen".

Er verwies darauf, dass Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus in Europa insgesamt zunehmen. Es gebe jedoch "fünf Länder in der EU, die uns Sorge bereiten". Dazu gehöre Deutschland


Über 172.000 mal "No NPD - NPD Verbot jetzt!"

Über 172.000 Menschen haben die Kampagne der VVN-BdA für ein Verbot der NPD mit ihrer Unterschrift unterstützt. Es ist bezeichnet, dass sich Bundestagspräsident Dr. Lammert für die Übergabe der Unterschriften für unzuständig erklärt hat.

Wir fordern das Verbot und die Auflösung aller neonazistischen und neofaschistischen Parteien und Organisationen, denn Faschismus ist keine Meinung - sondern ein Verbrechen. Das Verbot der NPD muss ein erster Schritt in diese Richtung sein.

"Nie wieder darf von deutschem Boden Krieg aus gehen", so die Überzeugung vieler Menschen unmittelbar nach der Befreiung von Faschismus und Krieg.

Heute erleben wir die verhängnisvolle Abkehr von diesem Grundsatz. Durch die neue Definition der Aufgaben der Bundeswehr wird z.B. das grundgesetzliche Verbot der Führung eines Angriffskrieges umgangen.

Die alte Vorgehensweise des Militarismus, den Primat der Politik durch eigene Zielsetzungen zu ersetzen, bestimmt heute wieder die politischen Strukturen der deutschen Außenpolitik sowie der Rüstungs- und Sicherheitspolitik.

Die Bundeswehr wird seit Jahren, um die sogenannte "außenpolitische Handlungsfähigkeit" zu erlangen, zur weltweit einsetzbaren Eingreiftruppe um- und aufgerüstet. So sollen z.B. spätestens in drei Jahren die sogenannten "Eingreifkräfte" für die schnelle Eingreiftruppe der NATO und der EU, inklusive ihrer Speerspitze, den sogenannten "Battleqroups" bereit stehen. Mit weiteren "Stabilislerungskräften" will die Bundeswehr zukünftig ständig an fünf Orten gleichzeitig im Einsatz sein können.

Dies dokumentiert die verfassungswidrige Neuausrichtung der Bundeswehr, oder besser gesagt die Umrüstung mit dem Ziel weltweiter Militäreinsätze.

2006 hat Verteidigungsminister Jung den Entwurf eines Weißbuches und damit das "sicherheitspolltische Programm der Bundesregierung" vorgelegt. Dieses "Programm" soll für die nächsten ca. 10 Jahre die bereits mit dem Ende der Blockkonfrontation begonnene Militarisierung der deutschen Außenpolitik fortsetzen. Die angegebenen Begründungen für die Aufrüstung wie Piraterie und Terroranschläge sind fadenscheinig. Hier geht es vielmehr um die Sicherung von Rohstoffzufuhr und Seewegen sowie einer globalen Machtentfaltung.

An konventionelle Abrüstung ist nicht gedacht, die nukleare Teilhabe der Bundeswehr soll erhalten bleiben. Das Programm enthält auch die Absicht, das Völkerrecht dem Militärinterventionismus der NATO- und EU Staaten anzupassen. Das sicherheitspolitische Programm sucht nach Legitimität für den praktizierten Militärinterventionismus, indem als Blankoscheck eine Grundgesetzänderung angestrebt wird. Der Verteidigungsbegriff soll so erweitert werden, dass sämtliche Bundeswehreinsätze als "Verteidigung" gelten - weltweit.

Terroristischen Angriffen soll vorbeugend begegnet werden, indem sie den Verteidigungsfall auslösen, so dass die Bundeswehr unmittelbar und ohne parlamentarische Behandlung im Innern eingreifen darf. Der Bundestag hat im Oktober das Bundeswehrmandat für die Beteiligung an der NATO Interventionstruppe ISAF und die Tornado-Aufklärungsflüge in Afghanistan um ein Jahr verlängert. Obwohl in Umfragen sich zwei Drittel der Bevölkerung dagegen ausgesprochen haben, stimmte der Bundestag mehrheitlich der Verlängerung des Mandats zu.


  • Wir sagen Nein zu einer weiteren Militarisierung der Gesellschaft!
  • Stoppt die Auslandseinsätze der Bundeswehr!
  • Rückkehr aller im Ausland befindlichen Truppen!

Die zunehmende Militarisierung der Aussenpolitik wird durch eine entsprechende Innenpolitik abgestützt. Sozialabbau einerseits, Aufrüstung der Sicherheitsorgane und der Überwachung der Bürgerinnen andererseits.

Unter dem Signum des "Krieges gegen den Terror" haben sich die USA und ihre Verbündeten die Lizenz zum Krieg in allen Teilen der Welt zugesprochen. Dabei wird offenkundig, dass es hier ausschließlich um geostrategische Machtpolitik geht. Im Mittelpunkt stehen wirtschaftliche Interessen, der Profit und seine Sicherung ist der Maßstab des Handelns.

[...] gewonnen. Nur von Regierungen. Eine Minderheit verdient dabei soviel, wie die Menge draufzahlt."


Liebe Kameradinnen, liebe Kameraden,
liebe Kolleginnen und Kollegen,

"Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg!" heißt einzutreten für eine Welt, die umfassend abrüstet, militärische Interventionen ablehnt, den Krieg ächtet, heißt einzutreten für soziale Gerechtigkeit und die Bekämpfung von Hunger, Armut und Arbeitslosigkeit, denn die Konflikte dieser Welt und der Menschen lassen sich nicht mit militärischen Mitteln lösen, man sichert das Überleben der Menschen nicht mit Panzern und Bomben.

Helmut Gollwitzer sagte einmal:

"Militärische Rüstung, kalter Krieg und heißer Krieg sind die großen Produktionsverschwendungen unserer Zeit; ohne sie brauchte heute kein Mensch zu hungern, durch sie hungert heute Zweidrittel der Menschheit. Wer über diesen Irrsinn jammert, soll den Ursachen nachgehen; dem Bündnis von blinden Haß-, Rache- und Rechtsgefühlen auf der einen und kalten materiellen Interessen auf der anderen Seite. Dieses Bündnis hindert heute die Rettung vor Hunger und Krieg. Wer erkennt, dass die Abschaffung des Krieges heute auf der Tagesordnung der Menschheitsgeschichte steht, muss diesem Bündnis zu Leibe rücken, und d.h. er muss nach den Interessenten fragen, die dafür sorgen, dass die Gefühle immer wieder hochgepeitscht werden und dass die Ursachen für die Konflikte nicht beseitigt werden."

"Nie wieder Faschismus - nie wieder Krieg!", das heißt nüchterne, unbestechliche, radikale und mutige Gesellschaftskritik.




Am Gedenkstein für die sowjetischen und polnischen Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter:

Dr. Ullrich Lochmann
Pfarrer i. R.

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,
liebe Freunde!

Wieder führt uns das Gedenken an die Opfer des Hitlerfaschismus auch hierher zum Friedhof und zum Gedenkstein der Zwangsarbeiter und Kriegsgefangenen.

Die Verschleppung von 11 Millionen Menschen aus den überfallenen Gebieten, ihre Ausbeutung für Kriegszwecke, ihr Leiden und Sterben ist eines der vielen niemals vergessbaren Verbrechen der deutschen Naziherrschaft an der Menschheit. Wir verneigen uns vor den polnischen und russischen Frauen und Männern, vor den 16.000 Zwangarbeitern damals in Karlsruhe und an allen anderen Orten ihres Leidens.

Mit Besuchern aus Weißrussland konnte ich schon mehrmals hier an diesen Ort kommen und der Zwangsarbeiter gedenken. Einer von ihnen, Wladimir Iwanowitsch Danilow aus Mogilew wurde wie so viele schon als Kind verschleppt und berichtete uns:

"Ich war neun, als der Große Vaterländische Krieg begann. Mein Vater war Berufsoffizier. Er ging an die Front, und wir haben ihn nie wieder gesehen.

Im Sommer 1941 zogen die Deutschen dicht an Mogilew heran und nahmen die Stadt unter heftigen Beschuss. Meine Mutter wurde von einem Geschosssplitter sehr stark verwundet und konnte sich nicht bewegen. Ich gab mir größte Mühe, um sie und mich zu ernähren.

Später wurden die Kinder im Alter zwischen 10 und 14 nach Deutschland abtransportiert. Ich war damals 12. Wir wurden in Güterwagen, von deutschen Soldaten bewacht, befördert. Wer zu fliehen versuchte, wurde erschossen.

Es gab einen Vorfall, als ein Junge vom Zug zurückbleiben wollte und die Deutschen sprangen aus dem Zug heraus und holten ihn ein. Sie fassten diesen Jungen und warfen ihn unter den vorbeisausenden Zug, unter seine Räder. ...

Die Gruppe, bei der ich war, wurde weiter nach Berlin transportiert. Was mit den anderen Jungs weiter geschah, weiß ich nicht.

In Potsdam gab es ein sehr großes Konzentrationslager, und dorthin wurden wir gebracht. ...

Mit der S-Bahn wurden wir nach Berlin gefahren, und dort sollten wir Straßen aufräumen, Steine wegtragen. ...

Wenn es irgendwo brannte, sollten wir mit Eimern Wasser holen und das Feuer löschen.

Eines Tages wurde ich von einem deutschen Offizier verprügelt. Bei einem Fliegerangriff wurde ein Haus zerbombt. Ich und andere Jungs schleppten Wasser aus dem Fluss herbei, um den Brand zu löschen.

Während des Beschusses zuvor wurde die Mutter einer jungen Deutschen getötet. Sie stürzte sich auf mich. Ich kann sie verstehen: soeben wurde ihre Mutter getötet, und weil ich ein Russe war, ließ sie ihren Zorn an mir aus.

Da deckte ich mich mit meinem Eimer zu, um mich vor den Schlägen zu schützen, und diese Frau traf mit ihrer Faust auf den Eimer und schlug sich die Hand wund. Die Deutsche erhob so ein Geschrei, dass ein Offizier herbeieilte und anfing, mich mit Händen und Füßen derart zu dreschen, dass ich weder laufen noch mich bewegen konnte. Die Folgen dieses Vorfalls erinnern mich an diesen Konflikt mein Leben lang. ...

Später wurden die Jungs und ich in eine Garnison in Polen geschickt. ...

Es gelang mir die Flucht zur Roten Armee. ...

Als ich in die Heimat zurückkehrte, kam ich in ein Kinderheim. ...

Die Verletzungen sind immer geblieben. ...

Später absolvierte ich ein Polytechnisches Institut im Ural und arbeitete als Konstrukteur."


Bei solchen Besuchen lesen wir immer auch die Inschrift auf diesem Gedenkstein hier, der nach dem Kriege von der sowjetischen Militärmission errichtet wurde:

(auf deutsch:) "Ewiges Gedenken den sowjetischen Bürgern, die Opfer des deutschen Faschismus wurden. Die Faschisten sollen wissen, dass kein einziger Akt ihrer Verbrechen ungestraft bleiben wird."


Das Strafgericht über ganz Deutschland erfolgte und hatte vielfältige Formen. Der oberste Manager der Zwangsarbeit, der Thüringer Gauleiter Fritz Sauckel, wurde bei den Nürnberger Prozessen verurteilt und hingerichtet. Vieles aber ist bis heute unbekannt und ungesühnt und kommt erst allmählich ans Tageslicht.

Am 30. September 2007 strahlte die ARD die Reportage "Das Schweigen der Quandts" aus, wo dargelegt wird, dass das heutige Vermögen einer der reichsten Familien und heutigen BMW-Eigner wesentlich auf der damaligen Ausbeutung von Zwangsarbeitern beruht.

Ein in der Quandt-Batteriefabrik Afa in Hannover eingesetzter Zwangsarbeiter berichtet darin:

"Es war viel schlimmer als Sklavenarbeit. ... man peitschte uns aus. ... man gab uns kein Wasser, wir mussten aus den Toiletten trinken."

Eine Stellungnahme von BMW zu dem Film ist bisher nicht erfolgt.


Zusammen mit dem Staat haben Teile der deutschen Industrie nach langem Sträuben über den Fonds "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" bis 2006 Entschädigungen an 1,6 Millionen ehemalige Zwangsarbeiterinnen und -arbeiter gezahlt, je einige tausend Euro, also besser gesagt nur eine kleine Anerkennung begangenen Unrechts.

Firmen und Städte haben Überlebende zu Besuchen eingeladen, Gedenktafeln errichtet wie in KA am ZKM. Schul- und Forschungsprojekte, neuerdings ein großes digitale Zeitzeugen-Archiv sind in Arbeit. Auch die Kirchen haben ihre Archive durchgeschaut. Die Badische Evang. Landeskirche und Diakonie z.B. hat Namen von 134 Zwangsarbeitern gefunden, die im Forst, in der Pflege, auch in Pfarrhäusern arbeiten mussten. Die Erinnerungsarbeit und die Erkenntnis der damaligen Schuldverstrickung aller hört also nicht auf und darf niemals aufhören.

Sie muss uns gleichzeitig Augen und Sinne schärfen und das Engagement wecken gegen die vielen Formen von erzwungener und sklavenartiger Arbeit, die es heutzutage rund um die Erde noch und wieder gibt: Kinderarbeit, Zwangsprostitution, betrügerische Mietarbeitsverhältnisse, Wanderarbeit zu Hungerlöhnen, prekäre Ausbeuterjobs u.v.a.m. Globalisierung, Neoliberalismus, auch das organisierte Verbrechen, das sind nur einige Schlagworte für die weltweiten Systeme, in denen Ausbeutung und Menschenrechtsverletzungen auch heute vorkommen.

Engagieren wir uns weiterhin, wo und wie wir können, für Gerechtigkeit und Menschlichkeit in unserer Welt. Seien wir vor allem wachsam und aktiv gegen jegliche Form von altem und neuem Faschismus, der sich unheilvoll wieder breit macht.

Allen Verharmlosungen und verirrten Sympathien für NS-Gedankengut möge die Erinnerung an die Opfer für immer einen Riegel vorschieben.

© Antifaschistisches Aktionsbündnis Karlsruhe